„Mutig sein und den Kunden in den Mittelpunkt stellen“ – Change-Berater André Dörfler über agiles Arbeiten bei der R+V

15. Mai 2017 Perspektive, Zukunft, Stabilität
 

Der Kunde steht von Beginn an im Fokus, die Umsetzung von Projekten geschieht in kleinen, iterativen Schritten und die Zusammenarbeit erfolgt in crossfunktionalen Teams. So könnte eine Kurzdefinition für „agiles Arbeiten“ lauten. Heute arbeiten auf diese Art typischerweise digitale Start-up-Unternehmen an neuen Produkten oder Services. Aber auch die R+V setzt verstärkt auf Agilität. Aus gutem Grund, denn die Wettbewerber und die Digitalisierung an sich fordern traditionelle Finanzunternehmen und ihre Geschäftsmodelle heraus. André Dörfler, Change-Berater und Personalentwickler bei der R+V, spricht in diesem Interview zu seinen Strategien, Herausforderungen und Lösungen bei der Einführung agiler Arbeitsmethoden.

WIR: Herr Dörfler, warum setzen Sie bei der R+V auf agile Arbeitsmethoden?

André Dörfler: Das agile Vorgehen ist besonders hilfreich, wenn man attraktive Produkte und Services für Kunden gestalten und diese schneller in den Markt bringen möchte als bisher. Das ist eine komplexe Aufgabe, wenn man das zudem mit den neuen digitalen Möglichkeiten realisieren will.

WIR: Warum nutzen Start-ups diese Methoden, traditionellere Unternehmen bisher nicht oder selten?

André Dörfler: Die Start-ups können gar nicht anders als agil zu arbeiten. Wenn sie nicht schnell und ressourceneffizient attraktive Produkte und Services in den Markt bringen, sind sie recht zügig insolvent. Die großen Unternehmen waren übrigens – als sie noch jung waren – auch agil, ja, auch die heute 100-jährigen Unternehmen. Sie haben es im Laufe der Zeit nur verlernt und es wurden – bewusst oder unbewusst – Strukturen und Regelungen geschaffen, die agiles Vorgehen erschweren bzw. sogar verhindern. Um das zu verändern, hilft „mutig sein und einfach machen“.

WIR: Diesen Mut möchten Sie als Change-Berater auch bei der R+V entfachen?

André Dörfler: Genau. Wir sehen veränderte Kundenbedürfnisse und -erwartungen wie auch die intensive Digitalisierung sowie neue Geschäftsmodelle und neue Wettbewerber im Versicherungsmarkt. Um darauf gute Antworten zu haben, unsere Kunden zu begeistern und unsere Marktposition auszubauen, kann es uns nur helfen, den Kunden noch stärker als bisher ins Zentrum zu stellen und von schnellen, innovativen und agilen Unternehmen zu lernen.

WIR: Bei der R+V macht man schon seit 2009 Erfahrungen mit agiler Arbeitsweise. Das waren bisher vor allem Softwareentwicklungsprojekte. Sie bringen die agile Arbeitsweise jetzt aber bewusst auch in anderen Bereichen zur Anwendung.

André Dörfler: Ja, das ist das klare Ziel. Wir möchten dort eine agile Organisation werden, wo es Sinn macht, und arbeiten täglich daran. Mittlerweile sehen wir, dass das agile Vorgehen für jegliche Neu- und Weiterentwicklung, die eine gewisse Komplexität hat und Geschwindigkeit erfordert, geeignet ist. 

WIR: Mit welchen Angeboten und Initiativen motivieren Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich auf das ungewohnte Vorgehen einzulassen?

André Dörfler: Zwei Beispiele: Wir bieten vom Personalressort Workshops zum agilen Projektmanagement an, in denen man das Vorgehen innerhalb von vier Stunden kennenlernen kann, zu denen es eine große Nachfrage gibt. Und wir beraten Führungskräfte, Projektmanager und Teams, die sich dem agilen Vorgehen annehmen und ihre Arbeitsweisen in der Linie bzw. in Projekten verändern möchten.

WIR: Herr Dörfler, welchen abschließenden Rat können Sie Unternehmen geben, die sich in ihrem Unternehmen ebenfalls mit agilem Management beschäftigen?

André Dörfler: Meine Empfehlung ist – aufgrund meiner eigenen Erfahrung – sich mit Menschen auszutauschen und zu vernetzen, die das gleiche Interesse haben und schon ein paar große oder kleine Schritte weiter sind. Die trifft man in Agile Usergroups, bei Barcamps und Leancamps. Dort mit viel Neugier zuhören und miteinander reden, um sich damit inspirieren zu lassen. Dann die Eindrücke auf das eigene Unternehmen mit Kollegen und auch externen Beratern reflektieren. Denn jede Kultur ist etwas anders und die Einführung des agilen Vorgehens sieht daher auch in jedem Unternehmen etwas anders aus. Und dann heißt es: Einfach machen!