Scrum & Co.: Was steckt hinter den agilen Arbeitsmethoden?

11. Dezember 2017 Perspektive, Zukunft, Stabilität
 

Das digitale Zeitalter fordert ein Umdenken bei Innovationsprozessen. Moderne Arbeitsmethoden wie Scrum, Agile, Lean und Design Thinking helfen dabei, schnelle und optimale Ergebnisse zu erzielen.

Unternehmen müssen heutzutage in größtem Maße flexibel und anpassungsfähig sein. Eine Idee, die letztes Jahr noch Millionen Klicks generiert oder zehntausende Produkte verkauft hat, ist heute schon wieder veraltet. Wer sich in seinem Business nicht ständig und schnell nach neuen Innovationen umschaut, hat wenige Chancen zu überleben.

Die DZ BANK Gruppe wendet agile Arbeitsmethoden unter anderem in ihrem Innovation LAB an. Mitarbeiter können innerhalb dieser Kreativfläche an neuen Produkten, Geschäftsmodellen und Services arbeiten und neue Formate ausprobieren. Offener Ideenaustausch, viel Eigenverantwortung und eine schnelle Entwicklung führen hier zum Erfolg. Vorrangig kommt im Innovation LAB die Scrum-Methode zum Einsatz, zusätzlich werden Prinzipien wie Lean und Design Thinking angewandt. Was verbirgt sich aber hinter diesen agilen Entwicklungsmethoden, die für so viel Innovation sorgen?

Gemeinsamkeiten agiler Methoden

Agile Arbeitsweisen haben gewisse Punkte gemeinsam, durch die sie sich von älteren Managementmethoden unterscheiden: Am Anfang des Denkprozesses steht keine Produktidee, sondern ein Problem. Das Ziel ist nicht klar vorgegeben und die Arbeitsweise ist iterativ, geht also in kleinen Schritten voran.

Zunächst wird also einem Problem auf den Grund gegangen, indem man es von allen Seiten beleuchtet. Dann werden mehrere Lösungsansätze gesammelt – je ungewöhnlicher und einfallsreicher, desto besser. Hat das Team sich auf eine Lösung geeinigt, wird mit der schrittweisen Entwicklung begonnen. Hier entsteht zunächst ein minimalistisches Produkt oder eine einfache Dienstleistung, die unmittelbar an Tester und Kunden ausgeliefert werden kann. Das schnelle Feedback gibt dann vor, welche Veränderungen und Weiterentwicklungen notwendig sind – oder ob ein ganz anderer Lösungsansatz gebraucht wird.

„Die Vorteile der agilen Arbeitsmethode liegen für mich ganz klar in der Art und Weise, wie schnell man erste Arbeitsergebnisse sieht und diese direkt mit den Stakeholdern verproben kann. Außerdem sind Änderungsprozesse und neue Wege einfacher umzusetzen, als wenn erst ein Change Request durchgeführt werden müsste. Durch diese Methode kann in kürzester Zeit eine Idee zu einem ausführlichen Konzept inkl. Geschäftsmodell ausgearbeitet werden.“ Naomi Weiß - Product Owner im Innovation LAB der DZ BANK Gruppe

Scrum erklärt

Konkret lässt sich die agile Entwicklung am Beispiel der Scrum-Methode erklären, die in abgewandelter Form auch im Innovation LAB der DZ BANK Gruppe zum Einsatz kommt. In diesem Prozess gibt es festgelegte Aktivitäten, fixe Dokumente und den Teammitgliedern werden verschiedene Rollen zugewiesen. So gibt es den Product-Owner, den Scrum-Master und das Team. Der Product-Owner macht die Vorgaben. Von ihm stammen die ersten Impulse und Anforderungen an das zu entwickelnde Produkt beziehungsweise das zu lösende Problem. Er erstellt das Product-Backlog, eine Liste mit gewünschten Features. Diese gibt er an das Team weiter. Geleitet wird dieses vom Scrum-Master, der für die planmäßige Umsetzung der Meetings sorgt und den generellen Überblick behält. Das Team ist für die Produktplanung und -entwicklung verantwortlich. Die Teammitglieder diskutieren, welche Features die höchste Priorität haben und wie viel Zeit die Umsetzung jeweils in Anspruch nimmt. Diese Informationen kommen in den Sprint-Backlog.

„Agile Arbeitsmethoden wie Scrum helfen uns dabei, Anforderungen in einem dynamischen Umfeld zu erfüllen und dabei kundenorientierte Lösungen zu entwickeln.“ Franz Welter, Abteilungsleiter Innovation und Digitalisierung, DZ BANK AG

 

Sprints zum Ziel

Womit wir zur wichtigsten Einheit des Scrum-Prozesses kommen: die Sprints. Sprints sind fixe Zeitrahmen, in denen das Team die festgelegten Ziele umsetzt, inklusive aller Produkttests und Reviews. Ziel eines Sprints ist es, ein auslieferbares Produkt zu haben – zunächst nur mit den grundlegenden Features, in späteren Sprints dann in ausgereifter Version. Während eines Sprintzeitraums finden täglich „Daily Scrums“ statt, kurze Meetings, in denen sich die Teammitglieder auf den neuesten Stand bringen was ihren persönlichen Fortschritt angeht. Am Ende der Sprintperiode finden Sprint-Reviews und Sprint-Retrospektives statt, bei denen rekapituliert wird, was von den geplanten Zielen tatsächlich umgesetzt wurde und wie der nächste Sprint verbessert werden kann. Während dieser Sprints er- und behalten also alle Teammitglieder zu jeder Zeit den Überblick über den Projektfortschritt. Dieser wird auf dem Taskboard in Form eines „Burndown-Charts“ festgehalten, einem ständig aktualisierten Graphen. Hier kann das Team genau verfolgen, wie viele Aufgaben noch zu erledigen sind, wie viel Arbeitszeit verbleibt und wann der aktuelle Sprint beendet ist.

Dank dieser iterativen Methode, bei der der gesamte Produktionsprozess in kleine, überschaubare Schritte geteilt wird, kann das Unternehmen jederzeit ermitteln, ob das Produkt rechtzeitig fertig wird, wo Hindernisse sind und welche Features noch fehlen. Sollte es in die falsche Richtung laufen, wird dies schnell deutlich und die Produktentwicklung kann im nächsten Sprint problemlos umgestellt werden.

Agile, Lean, Design Thinking

Arbeitsweisen wie Scrum et al. haben verwandte Prinzipien. Das agile Manifest fasst diese gut zusammen. Es handelt sich hierbei um eine Sammlung von vier Leitsätzen und zwölf Prinzipien. Die vier Leitsätze lauten:

  • Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber ist wichtiger als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans

Neben Agile ist Lean ein weiteres Stichwort, welches im Kontext moderner Arbeitsmethoden immer wieder auftaucht: Lean Product Development, Lean Startup, Lean Management. Lean bedeutet „schlank“ oder „mager“, das bedeutet allerdings nicht zwangsweise eine Verschlankung der Kosten oder der Arbeitskräfte. Der Schwerpunkt liegt hier darauf, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Unbeweglichkeit und Überschuss abzubauen. Der Produktwert für den Kunden soll immer weiter erhöht werden bei gleichzeitiger Minimierung von Ressourcenverschwendung. Ähnlich wie bei Scrum bezieht sich der ideale Kreislauf „Build – Measure – Learn“ darauf, ein Problem zu analysieren, so schnell wie möglich ein minimales Produkt zu konzipieren und dieses zu testen, um es im nächsten Schritt zu optimieren.

Beim Design Thinking werden diese Grundsätze speziell auf die Problemlösung beim Entwicklungsprozess übertragen. Dieser Denkrichtung liegen zahlreiche Methoden zugrunde, die auf fünf bis sieben Kernpunkten basieren: „Lernen, Beobachten, Muster finden, Ideen generieren, Prototyp herstellen, Testen“. Wie alle anderen Methoden kann auch diese auf die verschiedensten Arbeitsprozesse angewandt werden.